|
G E S C H I C H T E
centro del bel libro ascona (cbl)
Via Collegio – 6612 Ascona
Wie alles begann
Im Sommer 1965 begann die Geschichte des centro del bel libro in Ascona in der Passagio San Pietro mit der Eröffnung der Legatoria artistica durch Josef Stemmle. Der Zürcher Buchbindereiunternehmer verwirklichte seine Idee, einer breiten Öffentlichkeit das Buch näher zu bringen. Drei Punkte waren ihm dabei besonders wichtig: Die Förderung des Buches im Allgemeinen, die Förderung des schönen und gepflegten Buches und die Weiterbildung der Fachleute. Schluss mit Arbeiten im stillen Kämmerlein! Der Gründer schuf die Buchbinderei im Schaufenster, wie er die Legatoria artistica bezeichnete.
Nicht ohne Grund wählte Josef Stemmle den weltbekannten Ferienort Ascona als Domizil seiner Institution. Das südländische Flair des Kantons Tessin macht Besucher aufgeschlossen für neue Eindrücke, insbesondere der künstlerischen Art. Hier, entschied er, sei der richtige Ort, um Menschen zu begeistern und für das schöne Buch und den gut gestalteten Bucheinband zu werben. Als Ergänzung zur Legatoria artistica entstand in der Via Sacchetti in Ascona die Galleria del bel libro, in der künstlerisch gestaltete und handgebundene Bücher ausgestellt wurden. Zu der Trilogie Ascona gehörte damals auch die Papierschöpferei. Dort begann der Entstehungsprozess bibliophiler Bücher. Als Beispiele seien hier nur „Der Pfauenstrauch“ von Werner Bergengruen und „Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten“ von Johann Wolfgang von Goethe genannt.
Stemmles drittes Anliegen fasste 1968 Fuss in einer Institution: Im Lokal über der Galerie etablierte sich unter der Leitung von Martin Jaegle die Schule für die Weiterbildung der Buchbinder. Nun wurde aus der Trilogie Ascona das centro del bel libro. Diese Kombination aus Buchbinderei, Papierschöpferei, Galerie und Schule war weltweit einzigartig.
Leider zwangen wirtschaftliche Veränderungen Josef Stemmle, sich 1978 vom centro del bel libro zu trennen. Der „Verein der Buchbindereien der Schweiz VBS“ sprang ein und betrieb die Fachschule als Instrument der beruflichen Weiterbildung auf hohem Niveau weiter. Die Legatoria artistica und die Papierschöpferei wurden vom neuen Schulleiter Hugo Peller in eigener Regie weitergeführt; auf die Galleria del bel libro musste leider verzichtet werden. Um die Institution breiter abzustützen, wurde der „Verein centro del bel libro“ gegründet, der eine breite Basis von Freunden und Gönnern des schönen Buches vereinigt. Die Stiftung gleichen Namens gibt der Schule finanziellen Rückhalt. Diese wäre dennoch ohne Unterstützung und Förderung der öffentlichen Hand nicht lebensfähig.
Das cbl und seine Fachkräfte
Bestrebt seinem hohen Anspruch gerecht zu werden, reagiert das centro del bel libro auf die Wünsche von Schülerinnen, Schüler und Fachleuten. Die grosse Nachfrage nach Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereiche Buchrestaurierung führte 1982 zum Beschluss, diesem Gebiet einen eignen Fachbereich zu widmen. Als Fachbereichsleiterin konnte Julia Puissant, eine ausgewiesene Fachkraft, gewonnen werden. Dank dem grosszügigen Entgegenkommen der Kirchgemeinde Ascona konnten in deren Liegenschaft „Casa Beato P. Berno“ in der Via Collegio im Herzen von Ascona schrittweise die erforderlichen Schulräume eingerichtet und erweitert werden. Die Papierschöpferei wurde in die Schule integriert. In Zusammenarbeit mit der Firma Biberist wurden diverse Büttenpapier-Kurse angeboten.
Edwin Heim, der erste Schüler am centro del bel libro, tauschte 1984 die Seiten. Er löste Hugo Peller ab und wurde Leiter des Fachbereiches Bucheinband und Gestaltung. Vorher hatte er bereits als Atelierleiter unter Josef Stemmle und Hugo Peller die Legatoria artistica geführt. Durch Berufserfahrungen in Kopenhagen, Philadelphia, Easthampton und einem Studienaufenthalt an der Ecole Supérieure Estienne in Paris hat er sein Können und Fachwissen erweitert und vertieft. Der Prix Paul Bonet, weitere Auszeichnungen und die Aufnahme in die Vereinigung „Meister der Einbandkunst“ zeugen von seiner meisterlichen Handfertigkeit und seinem präzisem Umgang mit Material, Farbe und Form. Mit viel Einsatz und Kompetenz leitet er schon seit über zwanzig Jahren den Fachbereich Bucheinband und Gestaltung.
1998 trat die deutsche Buchbindemeisterin Renate Mesmer an die Stelle von Julia Puissant. Nach langjähriger Berufserfahrung in der Restaurierwerkstatt des Landesarchiv Speyer und eigenem Buch- und Restaurierungsstudio begann Renate Mesmer ihr Wissen an Lernende des centro del bel libro weiter zu geben. Bis Ende 2003 profitierte der Fachbereich Buch- und Papierrestaurierung und das centro del bel libro im Gesamten von ihrer fachlichen und sozialen Kompetenz und ihrem Elan. Als Nachfolger und neuer Fachbereichsleiter wurde der staatlich anerkannte Restaurator Henrik Rörig im Februar 2004 eingestellt. Vor seiner engagierten Lehrtätigkeit hat er an der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden gearbeitet.
Vielfältigkeit & Maxime
Die Kurse werden weitgehend in deutscher Sprache durchgeführt. Teilweise, nach Absprache oder von Gastdozenten werden Kurse auch in Englisch gegeben oder mit Erläuterungen in einer der Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch oder wenn nötig Deutsch ergänzt. Das ausführliche und in diesen vier Sprachen erhältliche Jahresprogramm orientiert diesbezüglich.
Diese Vielsprachigkeit ermöglicht es, weltweit Lernende anzusprechen. Das centro del bel libro ascona ist stolz darauf, dass über 3'000 Interessenten aus 40 Ländern in den vergangenen 40 Jahren Kurse besucht haben.
Ebenso freut sich das centro del bel libro ascona seit 2004 eduQua-zertifiziert zu sein und somit das schweizerische Qualitätszertifikat für Weiterbildungsinstitutionen tragen zu dürfen
Wir sind aufgerufen, den Goodwill, welchen das cbl geschaffen hat und den positiven Eindruck, den das cbl ausstrahlt, weiter zu entwickeln. Wir wollen den Lernenden beweisen, dass sich eine Weiterbildung auch in Zukunft und für die Zukunft immer lohnen wird.
Ganz im Sinne der Erinnerung an der fünften Internationalen Konferenz über Erwachsenenbildung der UNESCO in Hamburg:
„Erwachsenenbildung ist mehr als ein Recht; sie ist ein Schlüssel zum 21. Jahrhundert.“
cbl PR Ressort
|